DROGE/LITERATUR/GEWALT/LEBEN

 

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jörg fauser


 

 

 

 

                          Fausers Rohstoff

 

 

 

 

                        http://www.alexander-verlag.com/images/verlag/cover/mittel/9783895811142.jpg

alexander-verlag.com

 

 

Jörg Fauser als Beobachter seines

Lebens und seiner Zeit:

Junkie in Istanbul,

1968 Kommunarde in Berlin,

Hausbesetzer in Frankfurt.

Das autobiographische Zeugnis, in

dessen Mittelpunkt Fausers Alter ego

Harry Gelb steht, ist drastische

Lebensbeschreibung, rasantes

Zeitdokument der sechziger und

siebziger Jahre -

und die Geschichte von einem, der

auszog, um Schriftsteller zu werden.

 

http://www.joergo.de/wp-content/uploads/2013/09/Fauser3.jpg

joergo.de

 

 

Istanbul, Juli 2012. Eine schwüle

Hitze hängt über der Stadt, sie

kriecht in jede noch so kleine Ritze,

ihr zu entkommen, ist unmöglich.

34° C zeigt das Thermometer, in dieser

Stadt, in der der Schriftsteller Jörg

Fauser ein Jahr verbrachte –

ein erlebnisreiches Jahr, das sich in

vielen seiner späteren Werke

wiederfindet. 

 

tuup

manticorverlag.de

 

„Ich schrieb.

Die Türken verkauften sehr solid

gemachte Notizhefte mit

Wachstuchumschlag in allen denkbaren

Formaten, und ich entdeckte die

Vorzüge des Rapidographen – der feine

Strich, verbunden mit der Haltbarkeit

und Klasse von echter Tinte.“

Noch immer ist Cagaloglu der Ort, an

dem man Schreibwaren kauft. Die Läden

abzuklappern, stellt sich als naive

Idee heraus. Kaum ein Verkäufer ist so

alt, dass er Fauser Wachstuchkladden

hätte verkaufen können, und von den

wenigen, die schon seit einer Ewigkeit

hier arbeiten, kann sich keiner an den

abgemagerten, drogenabhängigen jungen

Mann erinnern, der hier einkaufte.

Also suche ich:

ein Hotel, eine Schule nebenan, etwas

oberhalb der Blauen Moschee.

Das sollte sich doch finden lassen! 

 

http://www.rollingstone.de/news/meldungen/article309827.ece/ALTERNATES/w620/fauser+mit+bukowski.jpg

 

rollingstone.de

 

 

In einer Seitenstraße stoße ich auf

die erste Schule. Direkt nebenan zwei

Hotels, die Beschreibung passt.

Die Frau an der Rezeption ist Mitte

dreißig, doch nein, das Hotel

existiert erst seit Mitte der

Siebziger. Sie fragt den älteren

Kollegen, der empfiehlt, drei Straßen

weiter zu gehen, da stehe ein sehr

altes Hotel. Aber: keine Schule.

Auf niedrigen Hockern sitzen fünf alte

Männer vor einem Teehaus und schauen

neugierig zu. Ich frage sie, sie

schütteln ihre Köpfe, nein, hier war

nie eine Schule.

Und das Hotel?

Vielleicht zwanzig Jahre alt.

 

http://www.taz.de/uploads/images/684x342/120717_fauser2.jpg

taz.de

 

Es ist überall das Gleiche, in jeder

Gasse: die Menschen in den Hotels sind

überaus hilfsbereit und freundlich,

fragen Bekannte, holen Kollegen,

wollen jedes Detail wissen – und doch

habe ich das Hotel nach mehr als drei

Tagen Suche noch immer nicht gefunden.

„Istanbul hat sich sehr verändert im

Laufe der Zeit“, sagt Emre aus dem

Ayasultan Hotel. Es klingt fast

entschuldigend.

 

Auch in Tophane erinnert nichts an das düstere Viertel aus „Rohstoff“.

Hier kaufte Fauser seine Drogen.

„Pro Quadratmeter lebten dort

wahrscheinlich so viele Opiatsüchtige

wie in Harlem oder Hongkong.

Es hieß, dass es in Tophane nicht

ungefährlich sei, und tatsächlich sah

man auch manchmal einen Toten

herumliegen, aber mir ist nie etwas

Ärgeres passiert, als dass ich beim

Einkaufen übers Ohr gehauen wurde.“

 

http://www.spex.de/files/2009/07/joergfauser_spex321_2.jpg

  spex.de

 

 

Heute: keine Spur davon. Ein

Wohnviertel mit Gemüseläden, Hunden

und Katzen, die auf der Straße leben

und von den Anwohnern gefüttert

werden.

Es ist dreckiger und rauer als in

Sultanahmet, doch in den sich langsam

den Hang in Richtung Galata-Turm

hinaufschlängelnden Gassen liegen

keine Toten. Mittlerweile haben sich

mehrere kleine Kunstgalerien

angesiedelt.

 

Schon als Jörg Fauser in den späten

sechziger Jahren in Istanbul abhängt

und Drogen nimmt, ist ihm eins klar:

Er will Schriftsteller werden.

Er muss es. Und ihm ist genauso klar

, dass die Schreiberei Arbeit ist, ein

Geschäft wie jedes andere auch.

„Writing is my business“, hat er

später einmal gesagt.

Im Rausch schreibt er die

Wachstuchkladden voll, es soll sein

erster Roman werden, der Protagonist:

ein Zivildienstleistender in einer

Nervenklinik. Schon hier zeigt sich:

Fauser beobachtet seine Zeit an seinem

eigenen Beispiel.

Und auch später sind es oft die

eigenen Erlebnisse, die er in seinen

Texten verarbeitet.

 

http://orf.at/static/images/site/news/20120729/joerg_fauser_todestag_strasse_body_n.2159985.jpg

 orf.at

 

 

Sein literarisches Interesse gilt den

Menschen am Rande der Gesellschaft,

den Losern, den Gebrochenen, den

Perspektivlosen. Er kennt das Milieu,

er weiß, wie es auf der Straße läuft.

Seine große Gabe ist, klar,

schnörkellos, messerscharf und bissig

zu beschreiben – durch die Augen eines

Dazwischenstehenden, er schaut die

Gesellschaft von innen an, aber auf

eine gewisse Art und Weise auch von

außen. 

 

Als die Türkei anfing, härter gegen

Drogenkonsum vorzugehen, wird auch

Fauser mit Heroin erwischt.

Das war es für ihn am Bosporus, er

wird abgeschoben.

Dem kalten Entzug, der bei der

Inhaftierung und beim Transport zur

Grenze zwangsläufig auf ihn wartet,

begegnet er journalistisch:

Er versucht, sich in die Beobachterposition zu versetzen, um sich von den eigenen Qualen abzulenken.

 

 

http://img1.seite3.ch/news/309/331836-fauser.jpg

seite3.ch

 

 

Doch viel schlimmer noch die Tatsache:

Er musste die Wachstuchkladden

zurücklassen.

Der auf Drogen angefangene

erste Roman ist fort.

In „Rohstoff“ lässt Fauser Harry Gelb

immer wieder sehnsuchtsvoll an

Istanbul denken.

Irgendwann müsse er zurück, die

Kladden abholen.

Abgesehen von den Kladden scheint

nicht viel von Fauser übrig geblieben

zu sein in dieser Stadt.

 

 

Quelle/ Text /

http://www.taz.de/!97464/

 

 

christoph-rueter-filmproduktion.de

 

 

ROHSTOFF


Ein Film über den Schriftsteller Jörg Fauser mit Franz Dobler

Regisseur: Christoph Rüter.
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch
Region: Alle Regionen
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Produktionsjahr: 2006
Laufzeit: 45 Minuten
Preis: 20,00 Euro

Der am 17. Juli 1987, in der Nacht nach seinem dreiundvierzigsten Geburtstag, an den Folgen eines Verkehrsunfalls früh verstorbene Schriftsteller und Dichter Jörg Fauser wäre 2004 sechzig Jahre geworden. Aus diesem Anlass bringt der Alexander Verlag sein Werk komplett neu auf den Markt.

Fauser hat seine literarische Position immer sehr vehement beschrieben, mit leidenschaftlichen und kenntnisreichen Arbeiten über Hans Fallada,Joseph Roth oder Hans Frick. Seine angloamerikanischen Helden haben jedoch deutlichere Spuren in seinem Werk hinterlassen: Raymond Chandler, William S.Burroughs, Charles Bukowski, Eric Ambler oder Graham Greene.

Fauser akzeptierte nicht die Trennung in Ernste und Unterhaltungsliteratur. Von den Roaring Sixties geprägt, schleuderte er gegen dieses Schubladendenken Gedichte, delirierende Cut-Up-Texte, dann bodenständige Erzählungen. Er machte Redaktionsarbeit für die Magazine »Tip«, »Lui« und »Transatlantik«. Schrieb Kolumnen, Hörspiele, Songtexte und Reportagen über Kriminalität und Politik, darunter auch Portraits über die aufstrebenden Schröder und Fischer. Den Durchbruch schaffte er in den achtziger Jahren mit Romanen und Thrillern.


http://christoph-rueter-filmproduktion.de/filme.php?film=13
 
 
http://www.bela1996.de/literature/images/le2005-16.jpg
 
bela1996.de

 
 
 
Fauser wurde als Sohn des Künstlers Arthur Fauser und der Schauspielerin Maria Razum geboren. Bereits um 1960 begann er, journalistische Arbeiten zu verfassen. Nach seinem Abitur in Frankfurt am Main im Jahr 1965 studierte er an der dortigen Goethe-Universität Ethnologie und Anglistik. Dieses Studium brach er 1966 ab. Während des anschliessenden Zivildienstes in Heidelberg wurde er Heroinabhängig und verbrachte 1967/68 ein Jahr im Istanbuler Drogenviertel Tophane, wo auch sein berühmtester Roman „Rohstoff“ anfängt.
 
http://www.nuvol.com/wp-content/uploads/2013/07/Fauser-2.jpg
 
nuvol.com
 

Von 1968 bis 1974 lebte Jörg Fauser in Berlin, Frankfurt und Göttingen; er arbeitete an verschiedenen literarischen Zeitschriften mit. Über seine Reisen, die ihn unter anderem 1975 nach Marokko und 1976 in die Vereinigten Staaten führten, berichtete er in Reportagen für die Basler Nationalzeitung. In den 70er Jahren veröffentlichte er mehrere Gedichtbände und begann die Zusammenarbeit als Texter mit dem Rockmusiker Achim Reichel. Ein grosser Populär-Erfolg gelang Fauser/Reichel mit der Single „Der Spieler“ aus dem Konzeptalbum „blues in blond“, durch die ein Fauser-Text sogar in die ZDF-Hitparade gelangte.

 

http://d1.stern.de/bilder/unterhaltung/2007/30/fauserr_250_fitwidth_489.jpg

stern.de

 

In den 80er Jahren zog Fauser nach Berlin, verfasste drei erfolgreiche Romane und war als Journalist für verschiedene Zeitschriften tätig. Am 9. Juli 1985 heiratete er Gabriele Osswald und zog mit ihr nach München. Heute vor 26 Jahren feierte er noch seinen 43. Geburtstag, bevor er auf der Autobahn A94 bei München von einem Lkw erfasst wurde – als Fussgänger. Was Jörg Fauser in der Nacht nach seinem Geburtstag als Fussgänger auf der Autobahn machte, ist bis heute ungeklärt. Angesichts Fausers Aussage, „Schreiben war gut. Besser als die Gemeinschaft mit Menschen war, über sie zu schreiben, und dann nicht an ihnen haften zu bleiben, sondern weiterzuhüpfen wie die Kugel im Roulettekessel“, ist sein schrecklicher Tod schon beinahe poetisch. 
 
 
 

 

http://www.seite3.ch/Joerg+Fauser+Der+Mann+mit+dem+Rohstoff+/447684/detail.html

 

11.3.14 21:30
 
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