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..wiener-koks..

 

 

 

 Die Geschichte eines politisch

korrekten Spießers vom armen Schwein zum It-Man der Kunst- und Medienszene –

dank Kokain!

 

 

 

http://www.kiwi-verlag.de/ifiles/cover/large/9783462046359.jpg

kiwi-verlag.de

 

Nirgendwo werde "soviel gekokst und

gefickt wie in der Kunstszene", sagt

eine der vielen Figuren in Joachim Lottmanns neuem Roman.

Der heißt "Endlich Kokain". An

einprägsamen Titeln herrscht kein

Mangel im Werk des Autors Lottmann,

des selbsternannten Erfinders der

Popliteratur, der einst über "Die

Jugend von heute" schrieb, den

"Geldkomplex" und zuletzt "100 Tage

Alkohol".

Das neue Buch ist sein neuntes, es ist

wie fast immer ziemlich komisch - und

es wird tatsächlich auf beinah jeder

Seite eine Nase genommen.

Und wenn keine Lines gezogen werden,

dann entfaltet das Koks als Bodylotion

mit Goldflocken und Weihwasser seine

aufputschende Wirkung:

 

Was

für

ein

grandioser

Quatsch. 

 

 

 

 

http://i1.ytimg.com/vi/3iOzSW5_YLM/0.jpg

article.wn.com

 

Im Mittelpunkt der Handlung steht der frühere

Fernsehjournalist Stephan Braum, Mitte 50 und wohnhaft

in Wien wie Lottmann.

Ein fetter Kerl, der so ungesund der Völlerei frönt, dass

ihm der Arzt nur noch drei Jahre gibt.

Er muss nun also fasten und runter von den 135 Kilo, er

entdeckt die Drogendiät und wird Kokainist. Gerät in

Kreise, die ihm, dem ORF-Spießer, vorher verschlossen

waren, nämlich in den Kunstbetrieb mit seinen

Schwätzern, Halbgenies und Volldepperten.

Er nimmt ab bei diesem "Koksfeldzug", betreibt Koksen

als Sport, trifft Leute, die sich "um Kopf und Kragen

koksen". Da ist besonders der perverse Maler Hölzl

(Josef, nicht etwa Johann wie der Popstar Falco) zu

nennen. Der Künstler treibt es so bunt wie einst

  Martin Kippenberger. Weshalb Hölzl sich in diesem wie

von Lottmann gewohnt und überaus absichtsvoll schludrig

geschriebenen Satireroman ins Koma befördert. 

 

http://cdn2.spiegel.de/images/image-682055-breitwandaufmacher-msss.jpg

spiegel.de

 

 

Braum, der Koksvernichter, ist mittlerweile selbst wieder

sexuell aktiv, vollzieht mit steilen, großbusigen Bräuten

Sadomaso-Geschlechtsverkehr, wird Hölzls

Nachlassverwalter, der vor Fälschungen nicht

zurückschreckt, Beltracchi lässt grüßen.

Lottmanns neue Gegenwartsvolte ist mehr noch als ein

Kunstwelt- ein Drogenroman, das groteske Kapriolen

schlagende Produkt eines mit der Schamlosigkeit des

literarischen Grobians operierenden Beobachters. 

Es ist Lottmanns Stammpersonal, das in "Endlich

Kokain" auftritt oder zumindest anzitiert wird:

Die alten Berliner Popkultur-Repräsentanten Diedrich

Diederichsen und Rainald Goetz.

Von seiner Wiener Neu-Bekanntschaft, dem Schriftsteller

Thomas Glavinic, klaut sich Lottmann den Titel eines

Hölzl-Gemäldes, es trägt den Namen "Das größere

Wunder II".

Eine Figur namens Kai Diekmann schwafelt im

Borchardts von einer Art-Section bei bild.de, "ohne

Bezahlschranke", und ein Rezzo Schlauch ist der Zombie

aus der "Öko-Mainstream"-Vergangenheit des

Protagonisten, mit dem man einst einmal im Jahr speiste

, sich dabei gut vorkam - und heute genau diesbezüglich

peinlich berührt ist.

Der große Realitätserfasser und Wirklichkeitsfälscher,

der Milieubeschreiber und Szenenunterwanderer

Lottmann wiederum, zu dessen epischem Programm die

Übertreibung und Lobhudelei gehören, kommt diesmal

erst langsam in die Gänge.

Am Anfang unterlaufen ihm beinah seichte Gags.

Vielleicht, weil die Fettsucht humoristisch nicht viel

hergibt, vielleicht aber auch, weil Lottmanns böse

Phantasien am Handlungsort Wien nicht so recht

gedeihen.

 

http://www.derwesten.de/img/incoming/origs4581167/2699241575-w656-h240-bF3F3F3-st/38483039-543x199.jpg

derwesten.de

 

 

Richtig gut wird es erst, als er seinen Helden nach Berlin

schickt, wo Lottmanns an Michel Houllebecq geschulter

Wirklichkeitsekel zielsicherer seine Gegenstände findet

. Houellebecqs bislang letzter Roman "Karte und Gebiet"

handelte unter anderem vom Kunstmarkt, natürlich auf

subtilere Weise.

In Lottmanns Version einer wahrscheinlich nur

unwesentlich verzerrten Realität ist Berlin ein

verseuchtes Ego-Gefahrengebiet, in der unzählige

Kulturmilieudarsteller unterwegs sind, jeder von ihnen

darauf bedacht, seinen Schnitt zu machen. Helene

Hegemann etwa, deren Lesung (aus dem neuen Roman

"Reite zwei Tiger"!) Braum besucht: "Es war die erste

gute deutschsprachige Lesung seit dem Tode Gottfried

Benns."

 

http://www.kiwi-verlag.de/ifiles/autor/large/autor_333.jpg

kiwi-verlag.de

 

Ungnädiger und ehrlicher lässt Lottmann seinen Helden

über die "kunsttypische Machtatmosphäre" räsonieren

und über die Handlangerinnen in den Kunst-Hotspots:

"In allen Galerien der Welt

traf man sie an:

dünne,

ätherisch-schöne Frauen

zwischen 25 und 35,

  leicht verblüht,

kunstsinnig

und

eingebildet,

 mit einem Hang

zum Masochismus

und zum Dienen.

 

" Es sind aber nicht nur die Frauen, die bei Lottmann

schlecht wegkommen:

 

Sein

Spott

trifft

jeden.

 

Lottmann ist ein Fabulierer und Lügner, ein Fiesling,
 
der das Klischee penetriert, bis es am Ende wahr zu sein
 
scheint - und ein Chronist der Jetzt-Zeit, der bei der
 
finalen Orgie im Hotel Adlon den notorischen Boris
 
Becker als quallenartiges Wesen mit Knopfaugen
 
auftreten lässt - "Braum überlegte, ob er zu ihm gehen
 
und den Tip mit dem Kokain geben sollte".

Es ist schon ein Vergnügen, dieses Eintauchen in die

Kulturboheme, in ihre angeblich unendlich dekadenten

Leidenschaften. Langweilig ist Lottmann selten, und

wenn Drogen verlogen sind, dann macht er sich genau

daraus einen großen Spaß.

Die nächste Party kommt garantiert.

Und der Maler Hölzl ist sogar wieder aus dem Koma aufgewacht.

 

 

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/joachim-lottmann-endlich-kokain-a-963634.html

Von Thomas Andre

 

 

http://www.monopol-magazin.de/img/articles/tn_370_494_Joachim-Lottmann-Ela-Angerer.12d6b4b230420a20766073f85697a8d8

monopol-magazin.de

 

Joachim Lottmann, geboren in Hamburg-Hochkamp, Kindheit in Belgisch-Kongo.

Studium der Theatergeschichte (bei Diedrich Diederichsen) und Literaturwissenschaft (mit Maxim Biller) in Hamburg.

1986 Übersiedlung nach Köln, Romanerstling Mai, Juni, Juli (KiWi 767).

Freundschaft mit Martin Kippenberger, der nach Die Frauen, die Kunst und der Staat mit dem Autor bricht und dafür sorgt, dass er in Ungnade fällt.

13 Jahre schlägt Lottmann sich als Straßenbahnschaffner in Oslo und als Leibwächter von Rainer Langhans durch, bis ihn der Literaturchef der FAS wiederentdeckt.

2004 sensationelles Comeback mit dem Roman

Die Jugend von heute (KiWi 843, 2004), danach Zombie Nation (KiWi 930, 2006) und der Reportageband

Auf der Borderline nachts um halb eins (KiWi 1002, 2007), 2010 der gefeierte Roman zur Krise: Der Geldkomplex (KiWi 1116).

Der Autor erhielt 2010 den Wolfgang-Koeppen-Preis und lebt in Wien.

 

 

http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.kiwi-verlag.de%2Fifiles%2Fcover%2Flarge%2F9783462046359.jpg&imgrefurl=http%3A%

 

 

http://www.kiwi-verlag.de/ifiles/cover/large/9783462041460.jpg

kiwi-verlag.de

 

http://www.kiwi-verlag.de/ifiles/cover/large/9783462040128.jpg

kiwi-verlag.de

22.4.14 02:12
 
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